Statements von AutorInnen, IllustratorInnen und LektorInnen

Kinder- und JugendliteraturautorInnen & IllustratorInnen:

(in alphabetischer Reihenfolge)

 

 

Ich bin überwältigt von dem positiven Echo, das sich in dieser Fülle von Unterschriften niederschlägt!
Gleichermaßen bestürzt bin ich jedoch angesichts der Vehemenz, mit der nicht erst im Kontext dieser Initiative jede oder jeder, die oder der es wagt, anzuregen, eine vor sechzig Jahren (!) getroffene Entscheidung einer Überprüfung zu unterziehen, von Andersdenkenden persönlich und/oder öffentlich angegriffen und/oder diskreditiert wird. Jede kreative Auseinandersetzung, jeder Versuch, über die jeweiligen Standpunkte zu diskutieren und sich möglicherweise anzunähern, wird auf diese Weise im Keim erstickt. Ich wünsche mir stattdessen einen vorurteilsfreien Gedankenaustausch, getragen von Respekt vor dem Andersdenkenden und von Offenheit für alles Neue; letzteres Tugenden, die wir unseren heranwachsenden Leserinnen und Lesern m.E. nicht nur in Form von Geschichten, sondern auch in Form vorbildhaften eigenen Handelns mit auf den Lebensweg geben sollten.

Ulrike Bliefert (Autorin)

 

 

„Natürlich habe ich den offenen Brief der Initiative deutschsprachiger Kinder- und JugendbuchautorInnen und IllustratorInnen unterzeichnet, haben doch die InitiatorInnen präzise und sachlich die Gründe auf- und ausgeführt, aus denen auch ich seit Jahren bei Bekanntgabe der Nominierten … Unwohlsein verspüre. Mit den unsachlichen, aggressiven, gehässigen und teilweise sehr persönlichen Reaktionen hat so wahrscheinlich niemand gerechnet. Ich ganz sicher nicht. Erklären kann ich sie mir auch nicht, denn besagter Brief, wenn man ihn von Anfang bis Ende liest, gibt zu keinem dieser Vorwürfe Anlass. Und die Liste der Unterzeichner führt sämtliche Neid- und Nazi-Vorwürfe sowieso ad absurdum. Ich schlage also vor: Lest! Den! Brief! Gründlich. Und dann räumt die Nazi-Keule wieder weg. Danach könnte diskutiert statt polemisiert werden.“

Christine Biernath (Autorin)

 

 

Individuelle Stellungsnahme zu meiner Unterschrift des offenen Briefs der Initiative

deutschsprachiger Kinder- und JugendbuchautorInnen und IllustratorInnen: Ein international ausgerichteter Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur setzt meines Erachtens nicht nur ein Zeichen über Grenzen hinweg, sondern sendet immer auch ein Signal an alle diejenigen, die im eigenen Land an der Qualitätssicherung und Förderung der Kinder – und Jugendliteratur beteiligt sind.

Ich habe diesen offenen Brief nicht unterschrieben, weil er die internationale Ausrichtung des DJLP in Frage stellt, denn das tut er meines Erachtens nicht! Ich unterstützte diese Initiative, weil sie konstruktive Vorschläge liefert, wie durch eine gerechtere Vergabepraxis mehr Chancengleichheit zwischen den mitunter sehr unterschiedlich etablierten Bucherscheinungen (deutschsprachige Originalwerke versus deutsche Übersetzungen von fremdsprachigen Werken) hergestellt werden könnte. Und ich bin davon überzeugt, dass eine von staatlicher Seite zum Ausdruck gebrachte Wertschätzung der Kinder – und Jugendliteratur des eigenen Landes eine positive Signalwirkung im

In – und Ausland hätte und damit in keiner Weise die Internationalität des Deutschen

Jugendliteraturpreises in Frage gestellt werden würde.

Aufgrund einiger sehr polemischer Reaktionen auf dieses Ansinnen, frage ich mich, was eigentlich so verwerflich daran ist, wenn Autoren in angemessener Form konstruktive Vorschläge einbringen, wie der Staat mit einem etablierten Preis die Qualität der eigenen Kinder – und Jugendliteratur noch besser fördern könnte? Entwicklung und Fortschritt finden statt, wenn althergebrachte Regelungen und Meinungen hinterfragt und gegebenenfalls veränderten Strukturen angepasst werden. Ich hoffe sehr, dass die weitere Diskussion in einer sich gegenseitig wertschätzenden Art geführt werden wird, in der Argumente für eine Veränderung der vorherrschenden Praxis nicht aus dem Kontext

gerissen und als Angriff auf eine etablierte Institution interpretiert werden, sondern als Denkanstöße von verantwortungsvollen Menschen, denen es nicht um „Futtertröge“ geht, sondern um eine Sache, die allen Beteiligten am Herzen liegt: Um die Förderung und den Erhalt anspruchsvoller Kinder– und Jugendliteratur!

Juliane Breinl (Autorin)

 

 

"Ich habe den offenen Brief unterzeichnet, weil ich denke, dass eine Diskussion um die Vergabe des DJLP längst überfällig ist.Wo bleiben bei der geforderten Weltoffenheit Übersetzungen aus der Türkei, Afrika, Asien usw...? Vielleicht würde eine eigene Sparte für Übersetzungen den geforderten Blick wirklich öffnen? Und warum sollen sich Erstausgaben mit im Ausland bereits etablierten, teils schon preisbedachten, übersetzten Werken messen können? Kann man diese Bücher tatsächlich miteinander vergleichen? Ich wünschte mir eine sachliche Diskussion, keine polemischen Anfeindungen, sondern konstruktive Vorschläge und Gedanken, wie man die vielen Ziele unter einen Hut bringen könnte. Sicherlich keine einfache Sache, aber es ist Zeit, darüber zu reden und beinahe 500 Autorinnen und Autoren ernst zu nehmen."

Antje Damm (Illustratorin und Autorin)

 

 

„Dass Gegner der DJLP-Initiative diesen konstruktiven und um einen sachlichen Vorschlag bemühten Offenen Brief, mit Polemik und Rassismusvorwürfen beantworten, ärgert mich. Dass aber nun auch noch die "Gesichter" dieser Initiative wie zum Beispiel Antje Wagner persönlich beleidigt und angegriffen werden, macht mich richtig wütend. Wie kann es sein, dass schon allein der VERSUCH, über eine mögliche Änderung der Preisvergabe zu diskutieren, nicht einmal ansatzweise in einer sachlichen und fairen Diskussion mündet? Nein, die Bedenken und Argumente von fast 500 AutorInnen und IllustratorInnen werden einfach mit der Rassiusmusklatsche platt gehauen - dabei hat die Initiative des DJLP zu keiner Zeit gefordert, den Preis NUR noch an deutsche AutorInnen und IllustratorInnen zu vergeben. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Es geht um Chancengleichheit, um eine Vergabepraxis, wie sie in vielen anderen Kunstsparten seit langem Gang und Gäbe ist: Um die Trennung in nationale und internationale Sparten. Das Problem an der aktuellen Chancenungleichheit bei der Vergabe des DJLP ist dabei weder das Nationale, noch das Internationale - Vorsicht, die Klatsche holt schon wieder aus - sondern schlicht die Tatsache, dass die Übersetzungen so viel mehr Zeit haben, sich auf dem internationalen Markt zu etablieren und auf sich aufmerksam zu machen als die Originalausgaben. Und wenn schon auf die vielzitierte Weltoffenheit und Internationalität des Preises verwiesen wird - die an sich ja schön und schützenswert ist -: Wo sind denn bitte die nominierten und prämierten Titel aus Afrika, Asien, Südamerika und all den anderen Erdteilen und all den anderen europäischen Ländern wie Bulgarien, Lettland, Polen, usw.? Ich habe die Initiative des DJLP unterschrieben, weil sie meiner Meinung nach eine konstruktive Diskussion über die aktuelle Vergabepraxis anregen will - und die Reaktionen darauf bestärken mich nur noch darin, dass es dafür höchste Zeit ist. Ich möchte mich ganz herzlich bei den mutigen Initiatoren bedanken, die in unserem Namen ihren Kopf hinhalten!“

Lisa-Marie Dickreiter (Autorin)

 

 

„Mein Wunsch ist, dass Geschichten unter gleichen, fairen Bedingungen um die Gunst der Jury werben können. Übersetzte Geschichten treten gegeneinander an, im Doppelteam Autor-Übersetzer und Originalgeschichten treten gegeneinander an.

Wir, die Autorinnen und Autoren, die in deutscher Originalsprache schreiben, sind es, welche die Ärmel hochkrempeln und durch die Lande fahren, um Literaturfeste, Schulen und Bibliotheken zu bereichern, wir erzählen, wir diskutieren mit unseren jungen Leserinnen und Lesern und wir tun das gern, denn wir brennen für unsere Geschichten und wollen dieses Feuer teilen.

Wertschätzung, das ist es, was wir uns mit einer Teilung dieses Preises erhoffen, Wertschätzung für unsere Geschichten, für unsere Sprache.

Wir respektieren die großartige Arbeit der Übersetzer. Sie schleifen, sie polieren, sie feilen mit großem Können an den Sätzen, Worten und Wendungen, daher sind sie ebenso am Erfolg der übersetztenTitel beteiligt wie die Originalautoren aus den USA, aus Schweden, aus Frankreich usw... Sie verdienen einen eigenen Preis, der ihre Leistung hervorhebt und würdigt.

Mit einem Doppelpreis treten mehr Bücher ins Rampenlicht, mehr Bücher, die PR bekommen, bekannt werden, gelesen werden. Und auch mehr Autoren, von denen die deutschsprachige Hälfte wieder mit den Leserinnen und Lesern in direktem Kontakt treten, zum Lesen, zum Mitdenken, zum Hinterfragen anregen kann.“

Angelika Diem (Autorin)

 

 

Erstaunlich, wie leicht selbst kluge Leute, statt zu argumentieren, solche Worte wie „Deutschtümelei" in den Mund nehmen, gar schlimmere! Als Experte speziell dieser Form weiß ich, wie leicht ein Offener Brief aufregen kann. Gleichwohl bleibt es wünschenswert, ad rem und nicht ad personam zu argumentieren. Die Debatte um den Preis ist ja nicht neu. Wieso kann sie von den Verteidigern des status quo - Journalisten, Autoren, Verleger, Multiplikatoren – nicht sachlicher geführt werden? Ich denke, ein gemeinsamer Austausch wäre mehr als wünschenswert. In diesem Sinne: Mögen die besseren ARGUMENTE gewinnen, nicht die denkfaulen Klischeeaufbieter!“

Rolf-Bernhard Essig (Autor und Literaturkritiker)

 

 

Es geht hier nicht darum, Übersetzern und ausländischen Kollegen die Butter vom Brot zu stehlen. Es geht nicht um „Kind liest deutsch“ oder darum, irgendwelche Pfründe zu sichern. Wer das unterstellt, hat den Brief nicht verstanden oder will ihn nicht verstehen. Ich habe den offenen Brief unterschrieben, weil er in meinen Augen ein sachlich formulierter, zu konstruktivem Austausch einladender Denkanstoß für eine mögliche (!) Neustrukturierung des DJLP ist. Es kann nicht sein, dass die Initiatorin persönlich angegriffen wird und wir, die Unterzeichner, als wirre, missgünstige, politisch rechts gerichtete Versager dargestellt werden. Die Reaktionen der Adressaten machen mich fassungslos.“

Dagmar Hoßfeld (Autorin)

 

 

Als Autorin, die erst seit einem halben Jahrzehnt in der deutschen Kinder- und Jugendbuchszene mitmischt, bin ich schon etliche Male damit konfrontiert worden, dass formell und inhaltlich gewagte Buchprojekte es in Deutschland außerordentlich schwer haben - sowohl in der Umsetzung als auch in der späteren Vermarktung. Allzu häufig dominiert ein wirtschaftlich ausgerichtetes Sicherheitsdenken die Entscheidungen hinter den Kulissen, sodass es nicht verwundert, wenn die Außenwahrnehmung deutschsprachiger Originaltitel auf den ersten Blick eine andere (gefälligere, angepasstere) ist als die der bereits im Vorfeld erfolgreich gewordenen Lizenztitel. Ich wünsche mir, dass aber auch die kantigen, wagemutigen und innovativen Werke, die hier selbstredend ebenfalls entstehen, nicht selten aber eine stiefmütterliche Behandlung erfahren, eine Chance bekommen und so zu den außergewöhnlichen internationalen Werken, die wir glücklicherweise auch auf dem deutschsprachigen Buchmarkt vorfinden, statt in Konkurrenz in eine sich gegenseitig befruchtende Koexistenz treten dürfen."

Nikola Huppertz (Autorin)

 

 

Ich habe den offenen Brief unterzeichnet, weil er nicht bei der seit Jahren immer wieder aufflackernden Kritik an der Vergabepraxis des Deutschen Jugendliteraturpreises stehenbleibt. Wir machen einen konstruktiven Vorschlag zur Weiterentwicklung des Preises. Wir schlagen vor, deutschsprachige Originalwerke des Vorjahres und Übersetzungen nicht mehr wie bisher gemeinsam sondern getrennt auszuzeichnen. Es geht uns um Chancengleichheit, nicht um Ausschluss. Ich trete dafür ein, Übersetzungen wie deutschsprachige Originalwerke in allen vier Sparten: Bilderbuch, Kinderbuch, Jugendbuch und Sachbuch zu prämieren. Diese Weiterentwicklung des Jugendliteraturpreises wäre eine Ausweitung und Aufwertung. Es gäbe mehr Nominierungen, mehr Preise. So stiege auch die Chance auf die gewachsene Qualität, Vielfalt und Vielstimmigkeit deutschsprachiger und internationaler Kinder- und Jugendliteratur aufmerksam zu machen. Dabei bliebe die Besonderheit des Deutschen Jugendliteraturpreises gewahrt, vor dem Hintergrund deutscher Geschichte nicht nur die nationale Buchproduktion in den Blick zu nehmen, sondern sich über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg zu öffnen. Ja, diese Besonderheit wäre eigentlich erst richtig, nach außen und innen, wahrnehmbar.

Doch auf dieses Herzstück unserer Initiative gehen die ablehnenden Reaktionen, so weit ich es überblicke, mit keinem Wort ein. Stattdessen wird ein Zerrbild gezeichnet, dessen pikantestes Detail der Vorwurf der "Deutschtümelei" ist. Ich empfinde dies als Versuch, uns in die rechte, die rassistische "Schmuddelecke" zu schieben. Wer da erst einmal steht, mit dem muss man nicht mehr sprechen, oder? Wem nützt es, so mit uns und unserem Anliegen, mit unserem konkreten Vorschlag umzugehen?

Vera Kissel (Autorin)

 

 

„Was soll an dem Vorschlag, deutschsprachige Originale und Lizenzausgaben bei der Preisvergabe künftig in zwei Kategorien aufzuteilen, ausgrenzend oder gar – gänzlich absurd - rassistisch sein?

Das ist eine Idee, für die es bedenkenswerte Gründe gibt.

Sicher gibt bzw. vor allem gab es auch relevante Gründe für die bisherige Organisation des Preises. Während aber die KJL und ihre Rahmenbedingungen einem starken Wandel unterworfen sind, gelten die Kategorien und das Procedere der Preisfindung seit Jahrzehnten ohne Modifizierung. Warum ist es nicht ohne Häme möglich, Änderungen zu erörtern?

Die Frage der überwiegenden Preisvergabe an Lizenztitel ist dabei nach meiner Wahrnehmung nur eine von vielen. Ich fände es angemessen, wenn über sämtliche Kategorien diskutiert würde, inklusive der teils gewohnheitsmäßig und teils programmatisch ausgeschlossenen Genres. Diese Fragen zu stellen und daraus Vorschläge zu machen oder Forderungen abzuleiten, ist ein normaler und zudem überfälliger diskursiver Vorgang. Er bedeutet weder eine Herabwürdigung des bisherigen Preis-Aufbaues, noch seiner Architekten noch seiner Jury-Mitglieder noch seiner Preisträger.“

Martin Klein (Autor)

 

 

Es fällt mir schwer, mich zu den Angriffen auf die Initiative zu äußern. Die Gegenargumente sind dermaßen oberflächlich und zum Teil sogar dumm – deutschsprachige Autoren sind nicht gut genug, Nazi-Vergleiche – , dass sich jede Stellungnahme erübrigt. Ich begreife nicht, weshalb es nicht möglich sein soll, eine solche Frage vernünftig zu erörtern. Denkverbote sollten verboten werden, und besonders die, die sich manche selbst auferlegen.“

Klaus Kordon (Autor und Deutscher Jugendliteraturpreisträger)

 

 

"Es ist schade, dass eine berechtigte Diskussion mit so viel Polemik und pauschaler Herabwürdigung von immerhin fast 500 Autoren und Illustratoren einhergeht. Vor allem aber kann man den Eindruck gewinnen, dass die Argumente des Offenen Briefs entweder nicht wahrgenommen oder aber bewusst falsch interpretiert werden. Es gehört schon eine gewisse Mutwilligkeit dazu, in dem Offenen Brief rückwärts gewandten Patriotismus zu erkennen. "

Silke Lambeck (Autorin)

 

 

Ich habe den offenen Brief unterschrieben, weil ich der Meinung bin, dass es nicht schaden kann, die Vergaberichtlinien für den DJLP nach 60 Jahren einmal auf den Prüfstand zu stellen. Ständige Veränderungen begleiten uns unser Leben lang. Ohne Veränderungen gibt es kein Fortkommen, keine Entwicklung. Warum soll der DJLP davon ausgenommen sein? Der offene Brief ist eine sachliche Anfrage verbunden mit einem konstruktiven Vorschlag für eine Veränderung. Das halte ich für absolut legitim und bin schockiert, dass in einem Land, in dem Meinungsfreiheit herrscht, die Initiative von uns AutorInnen und IllustratorInnen in den Gegenstimmen derartig angegriffen wird - noch dazu auf Basis von verfälschten Wiedergaben der Intention des offenen Briefes -, statt sich einer sachlichen Diskussion zu stellen. Ich für meinen Teil danke den Initiatoren des Briefes und würde mir wünschen, dass das Ministerium unter Frau Schröder zeitnah eine sachliche Antwort darauf gibt und so hoffentlich dazu beiträgt, die Auseinandersetzung zu und mit dem Thema auf eine konstruktive Ebene zu bringen.“

Monika Larsen (Autorin)

 

 

"Fassungslos über die Reaktionen auf den offenen Brief der Initiative, habe ich mich eingeschüchtert zurückgezogen, dann den Kopf geschüttelt, die Welt nicht mehr verstanden, mich mit anderen ausgetauscht. Ich kann nicht begreifen, dass so viele deutschsprachige AutorInnen auf derart inakzeptablem Niveau angegriffen werden. Was uns hier unterstellt wird, schlägt dem Fass den Boden aus. Wir wollen Übersetzer, Ausländer, Fremde raus haben? An keiner Stelle würden wir dies fordern, weder offen noch verdeckt. Es geht lediglich um eine Änderung der Richtlinien, die mehr Chancengleichheit schafft. Um mehr nicht. Niemand wird vor die Tür gesetzt.“

Angelika Lauriel (Autorin)

 

 

Schade, dass sich hier in Deutschland immer noch die Frage nach der Berechtigung (und damit Förderung) der eigenen kulturellen Schöpfungen so schwer diskutieren lässt.“

Root Leeb (Autorin)

 

 

„Ich schäme mich nicht dafür, es als vollkommen ausreichende Herausforderung zu betrachten, mich bei einem Wettbewerb "nur" mit deutschsprachigen Kollegen zu messen, die in einem vergleichbaren Zeitraum und unter ähnlichen verlags- und marktpolitischen, zeitgenössischen, gesellschaftlichen, politischen und sprachentwicklungstechnischen Bedingungen wie ich an ihren Texten gearbeitet haben. Ich schäme mich auch nicht dafür, das sinnvoll zu finden. Und ich halte an der Hoffnung fest, dass durch diesen Vergleich, der den Mut der Verlage herausfordert, das Augenmerk auf Werke gelenkt wird, die sonst zu wenig Beachtung fänden und dass auf längere Sicht die Qualität von Originalausgaben steigen und nicht das Niveau des DJLP sinken würde.“

Ruth Löbner (Autorin)

 

 

"Ich finde es bedauerlich, dass mit dieser Reaktion des VdÜ ein Keil zwischen Übersetzer und Autoren getrieben wird, als wollten die einen den anderen etwas wegnehmen. Kann ich so nicht finden. Im Gegenteil: Bei einer getrennten Nominierung von deutschen und übersetzten Büchern hätten doch auch viel mehr Übersetzungen als bislang die Chance auf eine Auszeichnung. (Ich bin schließlich selber leidenschaftlicher Übersetzer UND Autor!) Heike Brandts Brief stellt leider alle Unterzeichner der Initiative in eine ahistorisch denkende, dümmliche, deutschtümelnde, nationalistische Ecke - das trägt wenig zur sachlichen Diskussion bei und soll wohl jegliche offene Diskussion zu diesem Thema im Keim ersticken. Ich als Unterzeichner der Initiative verbitte mir jedenfalls, in die rechte Ecke gestellt zu werden, wenn ich darüber nachdenken möchte, ob die Vergaberichtlinien des DJLP nach fünfzig Jahren nicht ruhig ein wenig modifiziert werden könnten. Besorgniserregend an der Art der Kritik auf unseren offenen Brief ist vor allem, dass hier offenbar Kinder und Jugendliche der Jugendjury mit Falschmeldungen zu heftigen Reaktionen angestachelt wurden: LIEBE JUGENDJURY: Lest bitte unseren Brief SELBER und lasst euch nicht erzählen, was da angeblich drinsteht! Wir wollen niemandem verbieten, übersetzte Bücher auszuzeichnen, toll zu finden und zu lesen! Alles, was wir wollen, ist eine TRENNUNG von deutschen Büchern und Übersetzungn bei der Nominierung und Preisvergabe. Wenn ihr Fragen habt, warum wir das so besser fänden, dann fragt UNS!"

Salah Naoura (Autor und Übersetzer und Deutscher Jugendliteraturpreisträger)

 

 

„In den sechziger Jahren warf die New York Times den Deutschen „sprachliche Unterwürfigkeit“ und eine „fragwürdige Überschätzung des Fremden“ vor. Dies als Nachwirkung einer Zeit zu verstehen, in dem ein kulturell und sozial orientierungsloses Volk sich eine neue Identität suchen musste, ist nicht allzu schwierig.

Erschreckend jedoch ist es zu lesen, dass es auch im Jahre 2013 noch kulturelle Bereiche in Deutschland gibt, auf die Obiges zuzutreffen scheint. Anders kann ich mir die teilweise sehr heftigen und immer und immer wieder an den sachlichen Argumenten des Offenen Briefes vorbeigehenden Reaktionen nicht erklären. Eines Briefes, unter den immerhin 500 Autoren – teilweise selbst Preisträger - ihre Namen gesetzt haben. Eines Briefes, der, gut durchdacht und unaufgeregt formuliert, unter anderem auch die Rolle von Übersetzungen und Übersetzern hervorhebt, auf die niemand verzichten möchte.

In anderen Ländern wird die eigene Kinder- und Jugendliteratur gefördert, weil man stolz darauf ist, gute Autoren zu haben, die gute Bücher schreiben. In anderen Ländern spielt die deutsche Kinder- und Jugendliteratur keine Rolle. Das ist kein Wunder, wenn selbst Menschen, die sich in direkter Nähe des DJLP bewegen, ihre eigene Kinder- und Jugendliteratur vernachlässigen und für nicht förderungswürdig erachten. Wertschätzung? Fehlanzeige.

So lange, wie man sich als Kinderbuchautor in diesem Land noch gefühlt im Dunstkreis des Nationalsozialismus bewegen muss, sobald man seine Stimme erhebt, ist es schwierig, Gutes, Mutiges und Neues zu schaffen. Zumal viele Verlage bei heimischen Autoren lieber risikoarm auf Bewährtes zurückgreifen.

Und sich Gutes, Mutiges und Neues aus dem Ausland holen.“

Alice Pantermüller (Autorin)

 

 

Eigentlich ist es nicht zu übersehen: Die Produktivität, Kreativität und vor allem Qualität deutscher Kinder- und Jugendbücher steigen seit einigen Jahren enorm. Längst gibt es spannende Thriller nicht nur aus den USA, sondern auch aus dem deutschsprachigen Raum. Romane auf hohem literarischem Niveau für junge Leser, die nicht selten auch von Erwachsenen gelesen werden, stammen zunehmend aus der Feder hiesiger Autorinnen und Autoren. Es gäbe also zahlreiche Kandidaten für den DJLP – nur tauchen sie eher selten auf den Listen der Nominierungen und noch seltener als Preisträger auf. Dieses Missverhältnis ist seit langem bekannt, darum ist es an der Zeit, dass die Kinder- und Jugendbuchautoren sich in ihre eigenen Angelegenheiten einmischen. Dies ist also nun geschehen; die lange Liste der Unterschriften sollte vor allem signalisieren, dass hier der Änderungswille in der Vergabepraxis des DJLP nicht mehr zu übersehen ist. Vorgeschlagen wurde von der Initiative keinesfalls, wie von einigen Funktionären des Literaturbetriebes unterstellt wird, Übersetzungen nicht mehr zu berücksichtigen, sondern zwei unabhängige Sparten – nämlich einmal für die deutschsprachigen Originale und einmal für die Werke, die übersetzt wurden – einzuführen.

Die Umsetzung dieses Vorschlages wäre eine kleine, längst fällige gesellschaftliche Anerkennung und ein wichtiges Signal für die Kinder- und Jugendbuchautoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die sich täglich um hohe Qualität bemühen.

Die Berücksichtigung der Kinder- und Jugendliteratur wäre aus den genannten Gründen bei der Vergabe der Buchmessenpreise m. E. ebenso längst fällig.“

Grit Poppe (Autorin)

 

 

So sinnvoll es in den 50er Jahren aufgrund der Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus war, die Vergaberichtlinien zum Deutschen Jugendliteraturpreis in der Form zu gestalten, wie es damals geschehen ist, so unsinnig ist es, sie heute unverändert beizubehalten. Denn was damit erreicht werden sollte – der Anschluss der deutschen Kinder- und Jugendliteratur an das internationale Niveau –, ist längst erreicht. Heute schaden die Richtlinien statt zu nutzen. Daher ist diese Initiative gut und richtig und die gegen sie gerichtete Polemik vollkommen fehl am Platz. Auch die Verlage sollten übrigens überdenken, ob es noch zeitgemäß ist, ständig Unsummen für Lizenzen fremdsprachiger Titel auszugeben statt deutsche Autor/innen und Illustrator/innen zu fördern. Latente Minderwertigkeitskomplexe gegenüber der Literatur vor allem aus dem angelsächsischen Raum sind doch wohl heute nicht mehr angebracht."

Dirk Reinhardt (Autor)

 

 

Mich wundert sehr, dass dem sachlichen offenen Brief mit derartigen Polemiken seitens der „Verwalter“ des DJLP entgegnet wird. Nicht einmal scheut man sich mehr als 480 AutorInnen und IllustratorInnen in die Nähe von Rassisten und Nazis zu rücken.

Anscheinend hat dieser Brief genau den wunden Punkt getroffen, indem er offen die Misere des deutschen Jugendliteraturpreises darlegt, die seit über einem Jahrzehnt ein offenes Geheimnis ist.

International offen wird man nicht, wenn man lediglich vor Amerika in die Knie geht oder eurozentristisch auswählt, sondern wenn man z.B. auch Afrika, China, Indien, Lateinamerika, sowie die islamischen Länder beachtet , und vor allem sich selbst respektiert, und zusätzlich die Übersetzungen mit einem eigens dafür geschaffenen Übersetzerpreis des DJLP würdigt.“

Rafik Schami (Autor)

 

 

Die Praxis der Preisvergabe ist seit Jahren ein Skandal. Dass diese berechtigte und längst überfällige Kritik nun von gewissen Medien verfälscht wiedergegeben und von offensichtlich kritik-allergischen Kreisen aus dem Juryumfeld angegriffen und lächerlich gemacht wird, ist nicht nur ein neuer Skandal, sondern ausgesprochen schäbig und ehrlos. Es wirft ein bezeichnendes Licht auf diese Leute, die sich in ihrer Arroganz für die Hüter der deutschen Kinder- und Jugendliteratur halten. Es sind eben immer die hohlen Ähren, die den Kopf besonders hoch halten!"

Rainer M. Schröder (Autor, USA)

 

 

Die überlegenswerte Forderung so vieler Künstler/innen, Kenner und Experten der Literaturbranche verfälscht immer wieder darzustellen als: "Protest gegen die Vergabe des Deutschen Jugendliteraturpreises (DJLP) an ausländische Autoren" und „Angriff auf die Internationalität“ finde ich unredlich. Bereits heute ist es so, dass es sich beim DJLP um keinen internationalen Preis handelt. Denn seit 1956 werden nicht Autorinnen und Autoren, sondern schon immer einzelne, jedoch ausschließlichdeutschsprachige Werke von besonderer Qualität ausgezeichnet. Die Nationalität des Autors oder der Autorin des Werkes spielte dabei bisher eben so wenig eine Rolle wie Geschlecht, Herkunft, Muttersprache etc. . Das ist gut so und etwas anderes wird in dem offenen Brief auch nicht gefordert! Die ungleiche Ausgangslage der verschiedenen Werke - einerseits Originalwerke in deutscher Sprache, andererseits deutschsprachige Übersetzungen von erworbenen, oft bereits etablierten Lizenztiteln -, ebenso die Unterschiede in der künstlerisch-kreativen Leistung, die jeweils hinter einem solchen Werk steht, angemessener zu würdigen, darum geht es meines Erachtens in der Forderung um die Veränderung der Vergabepraxis. Eng verknüpft ist diese Debatte mit der berechtigten Frage, welchen Stellenwert Kinder- und Jugendliteratur und deren Urheber in unserer Gesellschaft allgemein genießen. Auf keinen Fall aber ist beabsichtigt, die herausragende Bedeutung fremdsprachiger Literatur zu negieren und die besondere, eigenständige und oft hervorragende Leistung der künstlerischen Übersetzungstätigkeit so vieler Kolleginnen und Kollegen zu schmälern.“

Kathrin Schrocke (Autorin)

 

 

Wenn man die Literaturfabrik kennt, weiß man, dass Autoren die Arbeiter der vielen Literaturproduzenten sind und deshalb auch am wenigsten verdienen. Die Produktionsmittel haben eben andere. In der Kinderliteratur sind Professoren, die an der Uni dieses Fach lehren, weniger angesehen als die Professoren, die "wahre" Literatur lehren. In Buchhandlungen gibt es kleine Kinderliteraturecken, die man unter dem Riesenangebot anderer Bücher suchen muss. Im Grunde sind die Preise für Kinderliteratur unter den anderen Literaturpreisen weniger wert. In diesem System ist es egal, ob wir dagegen protestieren oder nicht. Die Literaturfabriken grenzen sich untereinander sorgfältig ab, jeder Produzent hat sein Gebiet und darf nicht in die anderen hineinwirken. Wenn wir uns also herausnehmen, ein Buch für Erwachsene zu veröffentlichen, wird angemerkt: "Was fällt der denn ein. Weiß sie nicht, wohin sie gehört?" Wir werden in den Topf mit den Kindern geworfen, die ja auch keine Rechte in der Konsumgesellschaft haben, weil sie nichts einbringen. So sind auch die Anwürfe dieses albernen Textes aus dem Juryumfeld zu verstehen. Auch diese Figur mit ihrem Leseclub kann sich nur in der Kinderliteratur aufblasen.“

Margret Steenfatt (Autorin)

 

In einem Land, in dem weniger als zweihundert Schriftsteller (die wenigsten davon Jugendbuchautoren) von ihrer Arbeit leben können, ist es blanker Zynismus, zu glauben, man benötige keinen Artenschutz. Hier ist jeder Strohhalm wichtig, jedes Stipendium, jedes Fördergeld und jede Auszeichnung. Vordergründig mag es um bessere Positionierung im Buchhandel, um Werbebudgets und Vorteile bei Lizenzgeschäften gehen, letztlich steht dahinter aber die Wahrung der Vielfalt in der Jugendliteratur. Staatliche, aus Steuergeldern finanzierte Preise an Autoren und Romane zu vergeben, die im Ausland bereits erfolgreich waren und dort Preisgelder erhalten haben, ist ein Akt der Gedankenlosigkeit, der die Verarmung am Buchmarkt beschleunigt und einer von der angloamerikanischen Literatur dominierten Buchszene Vorschub leistet. Gerade um eine Monokultur zu vermeiden und die Vielfalt zu erhalten, sind Refugien und Biotope unabdingbar. Wer etwas anderes behauptet, verkennt die wirtschaftliche Situation am Buchmarkt.“

Thomas Thiemeyer (Autor und Illustrator)

 

 

„Seit ca. 1,5 Jahren schreibe ich mit Herz und Seele Geschichten für Kinder. In meinen Büchern vermittle ich Botschaften über Mensch, Natur und Universum. Um Botschaften übermitteln zu können, braucht es Mut und Verstand. Folgendes fällt mir zum Thema "Offener Brief" ein: So, wie wir in der Gegenwart sind, wird unsere Zukunft sein. Wenn wir in der Zukunft etwas erreichen wollen, müssen wir uns in der Gegenwart wandeln.
Deshalb bewundere ich den Einsatz der AutorInnen und IllustratorInnen, die mutig und mit ihrem Herzen unterschrieben haben und es noch tun. Wenn wir jetzt alles erdulden, wird sich das "Nicht-Gewollte" manifestieren. Es geht hierbei nicht nur um National oder International, sondern es geht auch um die Freiheit des Tuns und um die Unabhängigkeit, die wir uns erhalten müssen. Wenn uns jetzt ein Thema nicht gefällt und wir große Steine zu räumen haben, um an das Ziel zu gelangen, sollten wir unsere Meinungen vertreten und dafür einstehen. Kritik ist für den Konflikt wichtig und Solidarität ist nichts für Machthaber. Die Liebe in unserer Seele läßt alle Regeln und rationalen Schemas auflösen. Unsere jungen Generationen werden all das kopieren, was wir ihnen vorleben. Wenn wir das Besondere, das Wertvolle, das Vertraute und das Ehrliche als AutorInnen/IllustratorInnen behalten wollen, sollten wir uns allumfassend dafür einsetzen. Wer all das fürchtet, reiht sich die "Schafherde" ein. Die Gedanken sind frei und wir sind gefordert, dafür einzutreten. Deshalb unterstütze ich den Inhalt des "Offenen Briefes" und kann über "die Statements gewisser Medien" nur lächeln. Das Jahr 2013 ist wahrlich das Jahr des Aufbruchs, des Bewusstseins und des Emporkommens.
Rita Solvana Wachs (Autorin, Märchenerzählerin)

 

 

„Dass deutschsprachige Autor/innen und Illustrator/innen eben einfach zu schlecht seien, um getrennt von Übersetzungen beim DJLP eine eigene Kategorie zu bilden, ist v.a. eins: polemisch. Ich persönlich halte diese Aussage zudem für höchst arrogant. Sie zielt komplett an der künstlerischen Realität vorbei. Selbstverständlich gibt es qualitativ hochwertiges hiesiges Schaffen! Es gibt weiterhin einen konkreten künstlerischen Unterschied zwischen dem Übersetzen eines Werks und dem Schreiben eines Werks, einen Unterschied, der beim „Preis der Leipziger Buchmesse“ nicht in Frage gestellt und durch verschiedene Sparten ausgedrückt wird. Und dann gibt es einen Unterschied zwischen dem Wunsch nach Chancengleichheit für übersetzte & original deutschsprachige Werke, den fast 500 UnterzeichnerInnen haben, und Rassismus!

Ich bin für die Initiative, weil an der Vergabepraxis, wie schon oft und von vielen Seiten kritisiert, etwas ganz Grundsätzliches nicht stimmt. Die Initiative ist mutig. Sie geht einen Weg, auf dem ihr zuallererst mit Vorwürfen und Unterstellungen begegnet wird statt mit tieferer Auseinandersetzung mit den eigentlichen Argumenten. Die Polemik der Gegenreaktionen schürt eine Negativstimmung, und die Chance, sich einmal tatsächlich mit den Bedenken, den Argumenten der jetzt und hier Schaffenden auseinandersetzen, sie zu verstehen, damit zu arbeiten – wird überhaupt nicht ergriffen, ja nicht einmal erkannt. Dieses ignorante Verhalten gegenüber der Meinung von fast 500 deutschsprachigen KünstlerInnen empfinde ich in seiner symbolischen Aussagekraft als alarmierend.“

Antje Wagner (Autorin und Übersetzerin)

 

 

„Der Deutsche Jugendliteraturpreis ist nicht die Eintrittskarte zum deutschen Buchmarkt für internationale Titel – er begrüßt nur nachträglich jene, die schon angekommen sind. Das Zeichen, das der Preis international jedoch deutlich setzt, wird auch laut ausgesprochen: Die deutschsprachige Kinder- und Jugendliteratur ist so schlecht, dass sie nicht einmal im eigenen Land geschätzt wird. Aber eigentlich brauche man sie auch nicht. Was sei schon kulturelle Identität? Wie traurig, das in einem Land zu hören, in dem einer der größten Dichter Deutschlands und der Welt einst schrieb, Kinder sollten zwei Dinge bekommen: Wurzeln und Flügel.

Mag sein, dass es immer das Ziel des Ministeriums für Familie, Senioren und Jugend war, dass Deutschland das Land mit den meisten Übersetzungen aus dem Ausland wird. (Und das ist es mittlerweile.) Gleichzeitig aber sagen Verlage ihren deutschsprachigen Autoren immer noch: Books don’t swim. Eure Bücher werden nie den Ozean überqueren; sie werden es nicht ins Englische schaffen.

Ist es wirklich so, dass Deutschlands Weltoffenheit und Friedensliebe einzig darin Ausdruck finden, den Import möglichst vieler Kulturgüter aus den USA, England usw. zu prämieren? Wäre es nicht auch ein Zeichen, wenn man sich dafür einsetzte, dass die eigene Kunst und Kultur als Ausdruck dieser Weltoffenheit und Friedensliebe die Botschaft in die Welt trägt? Vielleicht sogar einen Austausch zu schaffen? Kunst war immer ein Spiegel der Gesellschaft und der Zeit und hält in ihren besten Augenblicken der Gesellschaft ihrer Zeit den Spiegel vor. Sie besitzt eine Komponente, die unabhängig ist vom Markt.

Zu argumentieren, dass „Protektionismus“ den „Wettbewerb“ verhindere, setzt die Kunst mit dem Markt gleich. In der Internationalität des Marktes also müssen alle Autoren schwimmen – ob russisch, vietnamesisch oder deutsch – oder untergehen. Diese Argumentation führt in letzter Konsequenz zu einem Monsanto der Kunst. Und dann ist es zu spät, sich noch auf seine Wurzeln zu besinnen.“

Vanessa Walder (Autorin und Übersetzerin)

 

 

Vielleicht gibt es ja gute Gründe (insbesondere für Übersetzer), den Umstand zu verteidigen, dass der Deutsche Jugendliteraturpreis ausgesprochen häufig für Bücher verliehen wird, die im Original als englischsprachige Titel erschienen sind (oder in den zwei, drei, vier Sprachen, die noch infrage kommen). Aber dafür gleich die ganz großen Geschütze aufzufahren und mit Reputation (der Bundesrepublik), nationaler Borniertheit vs. internationalem Ansehen usw. zu kommen, erscheint mir doch ein bisschen tief in den Farbtopf gegriffen. Und: Weltoffenheit? Ich mag mich irren, aber ich vermute, gar so viele Bücher, die zunächst in Kisuaheli oder der bengalischen Sprache erschienen sind (etc.), sind bei besagtem Preis in all den Jahren dann doch nicht berücksichtigt worden.
Ich denke, es geht um eine recht simple Frage: Soll der Deutsche Jugendliteraturpreis vornehmlich (wenn auch nicht ausschließlich und nach welcher Maßgabe auch immer) auf original deutschsprachige Werke abzielen - oder eben nicht.
Zu dieser Frage habe ich mich mit meiner Unterschrift unter die Petition geäußert - und wünsche mir, dass es möglichst viele Kolleginnen und Kollegen ebenfalls tun.“

Michael Wildenhain (Autor)

 

 

 

 

 

AutorInnen/IllustratorInnen der Allgemeinliteratur:

(in alphabetischer Reihenfolge)

 

Ich halte eine Aufgliederung des Deutschen Jugendliteraturpreises in deutsche und internationale Bücher für sinnvoll. Was schon anderswo auf der Welt Erfolg hatte, soll gerne auch bei uns prämiert werden – aber solche Titel gehören in eine andere Kategorie als die Bücher, die gerade erst bei uns gestartet sind. Sonst vergleicht man den Weitsprung von jemandem, der 50 Meter Anlauf hatte (als Vergleich für das internationale Renommee, dass das Buch bereits vor dem Erscheinen derdeutschen Übersetzung ansammeln konnte) mit jemandem, der nur 30 Meter Anlauf hatte (womöglich eine gewagte, mutige Geschichte, die vom deutschen Verlag vorsichtig lanciert wird, ungewiss über die Chancen beim Publikum). Beide Bücher haben ihre Berechtigung, aber sie gehören nicht in dieselbe Preiskategorie. Das Erstgenannte ist bereits berühmt und auch den deutschen Kritikern bekannt, das Zweitgenannte muss sich sein Publikum erst noch erobern und kann mitunter so kurz nach dem Erscheinen nicht mit dem älteren Erfolgstitel konkurrieren.“

Titus Müller (Autor)

 

 

Die Art und Weise, wie unermüdlich mit vollem Bewusstsein Inhalte des Offenen Briefs verdreht werden, grenzt bereits an Boshaftigkeit. Offenbar hätte man gerne, die Initiative würde eine Berücksichtigung alleine deutscher Titel fordern, aber dem ist NICHT so, selbst wenn noch so oft das Gegenteil behauptet wird! Wir fordern lediglich eine Gleichstellung. Warum tun sich die Gegner der Initiative so schwer, das zur Kenntnis zu nehmen? Weil es sie um ihr stärkstes Gegenargument bringen würde? Stattdessen geht man hin und greift einzelne Personen, die in der Sache federführend sind, unsachlich an und zieht sie ins Lächerliche. Darüber hinaus spricht man uns Autoren die Fähigkeit ab, die Lebenswirklichkeit der in Deutschland lebenden Kinder in unseren Texten wiedergeben zu können. Zur Krönung des Ganzen unterstellt man uns Futterneid und unterschwellig sogar faschistische Tendenzen. Dies ist unseriös und absolut inakzeptabel.“

Heike Schulz (Autorin)

 

 

„Es lohnt sich nicht, auf die Details der verzweifelten Kritik an dieser Initiative einzugehen. Es reicht, das Offensichtliche zu wiederholen. Hier geht es um den "Deutschen Jugendliteraturpreis", und die Statuten sollen dem Rechnung tragen. Weder wird beim "Deutschen Buchpreis" eine Übersetzung prämiert, noch beim "Deutschen Filmpreis" eine Synchronisation, und das Prinzip findet sich ebenso beim "Deutschen Musikpreis", ehedem beim "Deutschen Kritikerpreis", und so weiter. Ausländische Werke und Leistungen zu prämieren ist eine tolle Sache, ebenso, wie die Leistung der Übersetzer auszuzeichnen. Aber es ist etwas völlig anderes, als den "Deutschen Jugendliteraturpreis" zu verleihen.“

Andreas Wilhelm (Autor und stellv. Leiter des Verbands Deutscher Schriftsteller)

 

 

LektorInnen:

 

Aus eigener Praxis kenne ich beides: den Einsatz für den Lizenztitel und das Engagement für die Originalentwicklung. Es ist wunderbar, dass wir in Deutschland diese Übersetzungskultur haben. Allein: Der anglophone Bereich dominiert eindeutig die Kinder- und Jugendbuchszene, wer will das leugnen. Ist der DJLP also tatsächlich international? Zudem gilt: Die Vorauszahlungen, die v.a. für US-Titel bezahlt werden, verdanken sich oft Hypes, die am Ende den Einsatz nicht wieder einspielen. Und wer unter uns LektorInnen/ProgrammleiterInnen kann tatsächlich sagen, bis ins Letzte objektiv beim Einkauf gewesen zu sein? Da sind die ausländischen RezensentInnen mit ihrem Enthusiasmus, die Pressestimmen, evtl. Nominierungen/Auszeichnungen und, last but not least, das Instrument "Auktion". Und, auch das ist nicht zu leugnen: Eine Lizenz kann manchmal schneller Programmplätze füllen als eine Eigenentwicklung. Wir alle kennen die entsprechenden "Zwänge" in den Verlagen.

Die Diskussion um die Vergabe des DJLP hat mich erneut zum Nachdenken über Themen wie Projektentwicklung, Programmstrategie, Einkaufspraxis usw. gebracht. Mein Fazit: Die deutschsprachige Kinder- und JugendbuchautorInnen und -illustratorInnen haben recht mit ihrem Protest. Wir sollten und können sie noch viel aktiver fördern, nicht nur mit Stipendien, sondern auch durch den DJLP, denn dieser ist ein Staatspreis! Was spricht gegen seine Teilung? Die Initiative DJLP hat eine längst überfällige Diskussion angestoßen, die einlädt zu einem offenen, vorurteilsfreien Gespräch. Es ist mir völlig unverständlich, wie daraus ein Gegeneinander interpretiert und konstruiert werden kann.“

Heike Brillmann-Ede

 

 

(c) pixabay
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