VON WELTOFFENHEIT ZU EIGENBRÖTLEREI

 

Blick eines Autors/Übersetzers auf den DJLP 2016

 

Salah Naoura im "Eselsohr"

 

 

September 2016

 

 

 

Kinderbücher spielen in meinem Leben eine wichtige Rolle, schon immer. Als Kind habe ich viel gelesen, meine deutsche Mutter schleppte ständig neue Bücher an, mein syrischer Vater las mir mit seinem noch holperigen Deutsch daraus vor, ich korrigierte. Das erklärte Ziel des Deutschen Jugendliteraturpreises wurde bei mir also erreicht: ich las, und tatsächlich trugen damals, in den Sechzigern und Siebzigern, die Empfehlungen der Nominierungslisten zur Orientierung bei unserer Buchauswahl bei.

 

 

Das ist eine Weile her. Heute schreibe und übersetze ich selbst Kinderbücher – und der DJLP hat als Orientierungshilfe zweifellos an Einfluss verloren. Warum? Weil unsere Gesellschaft und mit ihr der Buchmarkt sich verändert haben. Damals lasen Kinder und Jugendliche mehr, und es gab weniger Bücher. Heute gibt es Unmengen von Büchern, und immer weniger wird gelesen. Orientierungshilfen dagegen gibt es en masse, nicht zuletzt im Internet: Sternchen bei Amazon, Leseportale, Lieblingslisten – der DJLP hat Konkurrenz bekommen. Auch übersetzte Titel gibt es reichlich, weil viele Verlage bei angespannter Marktlage in den letzten Jahren gern auf Nummer sicher gehen wollten, daher vermeintlich Erprobtes (also Titel, die im Ausland gut liefen) einkauften und dabei auf den neuen Harry Potter oder Biss-Hype hofften. Nach Ansicht der DJLP-Kritiker dominieren Lizenzen sowohl den Markt als auch die Nominierungslisten deutlich in den beiden wichtigsten Sparten: Kinder- und Jugendbuch. Zahlreiche deutschsprachige Kinderbuchschaffende haben dies immer wieder angesprochen, sehen ihre Werke unterrepräsentiert und diskutieren die ungleichen Ausgangsbedingungen von deutschsprachigen Originalen eines Jahrgangs und ausländischen Titeln unterschiedlicher Jahrgänge. Denn Letztere haben, ehe sie auf Deutsch erscheinen, länger Zeit, sich auf dem (internationalen) Markt zu etablieren.

 

2013 schrieb eine Autoreninitiative schließlich einen offenen Brief an die damalige Familienministerin Schröder, mit der Forderung, deutschsprachige und übersetzte Titel getrennt zu nominieren und auszuzeichnen, um den jeweils aktuellen Stand deutschsprachiger KJL im In- und Ausland deutlicher herauszustellen. Innerhalb weniger Tage unterzeichneten über 500 Autoren und Illustratoren diesen offenen Brief. Auch ich.

 

 

Was dann folgte, ist in meinen Augen weitaus beunruhigender als die Frage, wohin der DJLP steuert: Vorwürfe von Deutschtümelei und Nationalismus, von Gier nach Preisgeldern, Benachteiligung der Übersetzer ... Welch ein Unsinn, denn der Ausschluss von Lizenzen wurde nie gefordert! Der Arbeitskreis für Jugendliteratur beeilte sich, der Jugendjury zu melden, diese Autoren wollten das Lesen und Auszeichnen von Lizenztiteln verbieten. Prompt wurden auf der AKJ-Website Proteste empörter Jugendlicher gepostet.

 

 

Eine Kollegin und ich fuhren nach München, um diese Fehlinformation richtigzustellen und die Vorschläge des offenen Briefes zu diskutieren. Begrüßt wurden wir von der AKJ-Geschäftsführerin mit der Bemerkung, die UnterzeichnerInnen des offenen Briefes hätten sich ja wohl ins eigene Bein geschossen ... Hm, da gerät man ins Grübeln. Erstaunlich, mit welcher Hysterie reflexartig Vorschläge zu Neuerungen abgewimmelt werden, wie kategorisch darauf gepocht wird, dass nach 60 Jahren DJLP trotz veränderter Rahmenbedingungen alles beim Alten bleibt.

 

 

Eine Gruppe von Autoren, Illustratoren und Übersetzern unterbreiteten den Vorschlag des offenen Briefes 2014 und 2015 bei zwei Treffen dem Bundesfamilienministerium, das sich bis heute kein einziges Mal konkret dazu geäußert hat. Auch das verwundert angesichts der über 500 Unterstützer dieses Anliegens.

 

 

Dabei gibt es plausible Gründe dafür, durch eine getrennte Nominierung die deutschsprachige Kinder- und Jugendliteratur stärker in den Focus zu rücken als bisher. Gründe, die auch dem DJLP, der laut Statuten der Leseförderung verpflichtet ist, selbst am Herzen liegen müssten. Die ist freilich ohne die vielen deutschsprachigen AutorInnen und IllustratorInnen, die jedes Jahr auf Lesefestivals, in Bibliotheken und Schulen Kinder und Jugendliche in Lesungen und Workshops ganz direkt für Geschichten begeistern und zum Lesen und Selberschreiben animieren, gar nicht zu leisten. Die jungen LeserInnen von heute brauchen diese unmittelbare Ansprache. Und sie brauchen, neben guten übersetzten Titeln, gerade auch solche Bücher, die in ihrer eigenen Lebenswirklichkeit spielen. Allein dies sollte Grund genug dafür sein, endlich ernsthaft mit einer unvoreingenommenen Debatte um die Neuausrichtung des Deutschen Jugendliteraturpreises zu beginnen. So weltoffen, wie er es zuzeiten seiner Gründung sicher einmal war, wäre er auch heute gerne noch, dieser Preis. Wer jedoch im eigenen Land einen offenen Brief von 500 Kinderbuchschaffenden schlichtweg ignoriert, sendet ein ganz anderes Signal: das der Abschottung und Eigenbrötlerei.

 

 

 

 

Börsenblatt - Salah Naoura über den DJLP

6. Juli 2016

 

Im Börsenblatt äußert sich Salah Naoura kritisch zum DJLP und dem Sonderpreis für "Neue Talente" --> Link

 

 

 

MOMENTANER STAND

6. Juni 2016

 

Zum aktuellen Stand der Dinge: 2014 und 2015 fanden erst in Berlin und dann in Bonn zwei Treffen von AutorInnen, IllustratorInnen und ÜbersetzerInnen der DJLP-Initiative und VertreterInnen des Bundesfamilienministeriums (Thomas Thomer, Peter Joseph, Uta-Christina Biskup, Abteilung 5, Kinder und Jugend) statt, bei denen die Kinder- und Jugendbuchschaffenden ihr Anliegen einer getrennten Nominierung von deutschsprachigen Originalausgaben und übersetzten Titeln vortrugen.

 

Von unserer Seite wurde bei beiden Treffen von Anfang an klargestellt, dass es der Initiative keinesfalls um eine Ausgrenzung von Lizenztiteln geht, sondern die Schaffung einer eigenen Sparte für deutschsprachige Originaltitel dringend notwendig sei, um den jeweils aktuellen Stand der im deutschsprachigen Raum entstehenden Kinder- und Jugendliteratur sowohl im In- als auch im Ausland deutlicher herauszustellen.

 

Da der Deutsche Jugendliteraturpreis zudem nach eigenem Bekunden der Leseförderung verpflichtet ist, müsse das Bundesministerium als Preisstifter aus Sicht der Initiative ebenfalls ein starkes Interesse daran haben, den Blick auf die Werke deutschsprachiger Kinderbuchschaffender stärker zu schärfen, weil gerade sie mit ihren Lesungen und Workshops auf Festivals, an Schulen, in Bibliotheken und Buchhandlungen einen wesentlichen Beitrag zur Leseförderung leisten.

 

UNSER FAZIT: Bis heute hat das Bundesfamilienministerium zu unserem konkreten Vorschlag einer getrennten Nominierung und Auszeichnung deutschsprachiger Originalausgaben und übersetzter Titel keine Stellungnahme abgegeben, obwohl sie uns wiederholt angekündigt wurde, jedoch nie für einen konkreten Zeitpunkt. Telefonische Nachfragen werden nebulös beantwortet, schriftliche, wenn überhaupt, nur ausweichend. Selbst mit wohlwollendem Verständnis dafür, dass Behördenmühlen langsam mahlen, können wir die Tatsache, nach zwei Jahren noch immer nichts zu unserem Vorschlag gehört zu haben, nur als Hinhaltetaktik auffassen und finden es befremdlich, dass das Ministerium ein Anliegen, hinter dem eine breite Mehrheit Kinder- und Jugendbuchschaffender steht, schlicht ignoriert.

 

Das Thema ist damit dennoch nicht vom Tisch — so wie er ist, kann dieser Preis nicht bleiben, dafür haben sich 60 Jahre nach der ersten Preisverleihung zu viele seiner Rahmenbedingungen zu stark verändert. Für eine Neuausrichtung des DJLP werden wir uns weiterhin konsequent einsetzen.

 

 

 

PROTOKOLL DES ZWEITEN TREFFENS MIT DEM FAMILIENMINISTERIUM

5. Juni 2015

 

Protokoll des Treffens der Initiative DJLP mit dem Familienministerium am 11. Mai 2015 in Bonn

 

 

VertreterInnen des Familienministeriums:

Ute-Christina Biskup, Sachbearbeiterin Kulturelle Jugendbildung, Peter Joseph, Leiter des Referats 502, Thomas Thomer, Unterabteilungsleiter „Kinder und Jugend“

 

VertreterInnen der Initiative DJLP:

die AutorInnen Kathrin Schrocke, Salah Naoura, Rüdiger Bertram, die Lektorin Heike Brillmann-Ede (HBE, auch: Protokollantin)

 

 

Thema: Initiative DJLP

 

Nach der Vorstellungsrunde machte Herr Thomer gleich zu Anfang des Treffens deutlich, dass sich an der Haltung des Familienministeriums gegenüber dem DJLP nichts geändert habe. Nach einer Expertise des vorherigen Familienministeriums, die das neue bestätigt, soll der Preis weiterhin für Weltoffenheit und Toleranz stehen, so wie im Gründungspapier 1956 festgehalten. Trotzdem nimmt man die Gelegenheit von Seiten des Ministeriums gerne wahr, mit der DJLP-Initiative weiter zu sprechen, um den Dialogfaden nicht abreißen zu lassen, auch mit dem Ziel, u.U. neue Perspektiven zu eröffnen.

 

Das folgende Gespräch umkreiste noch einmal die Argumente für den Status quo des DJLP und der Initiative als Vertretung von mehr als 500 deutschsprachigen AutorInnen, die seit ihrem Bestehen zu einem Umdenken bei der Preisvergabe einladen.

 

Die Initiative plädiert dafür, die Statuten des Preises zu ändern und stimmt mit dem Familienministerium 100% darin überein, dass es um die Förderung der guten Kinder-/Jugendliteratur geht. Die Qualität steht unangefochten im Vordergrund.

 

Positiv bewertet wurden die Expertise der JurorInnen in allen Sparten des DJLP und insbesondere das Engagement der Jugendjury.

 

Man stimmte auch darin überein, unschönere Einlassungen im Laufe der letzten Jahre beiseite zu lassen, um sich dem Kern der Diskussion so objektiv wie möglich zu widmen. Dazu gehörte die Klarstellung der Initiative, dass Wolfgang Bittner als Privatperson agiert und nichts mit der Interessenvertretung der AutorInnen zu tun hat.

 

Die Initiative hatte die Gelegenheit zu unterstreichen, dass es ihr von Anfang an nicht um eine Ausgrenzung/Abwertung lizenzierter Literatur ging. Es ging immer einzig und allein darum zu diskutieren, warum es keinen Staatspreis für originale deutsche Kinder- und Jugendbuchliteratur gäbe – im Gegensatz zu anderen Ländern, die die „eigene“ Literatur durch solche Preise fördert. Denn diese Förderung betrifft nicht allein die ausgewählten AutorInnen. So eine Förderung hat Einfluss auf die Programmpolitik von Verlagen. Selbstverständlich soll sich das Ministerium nicht einmischen in Verlagsstrategien, man war sich aber einig darin, dass eine ideelle Signalwirkung vom DJLP ausgeht. Verlage schmücken sich mit dem DJLP, Buchhandlungen bewerben verstärkt die nominierten und prämierten DJLP-Bücher, Medien nehmen diese Bücher mit besonderer Aufmerksamkeit wahr. Und: U.U. beeinflusst eine solche DJLP-Ausweitung sogar die Curricula für den Deutschunterricht, in denen weiterhin die Klassiker im Vordergrund stehen.

 

 

 

Das Fazit der Initiative DJLP:

 

Deutschsprachige OriginalautorInnen haben unbestritten den Vorteil, auf ihren zahlreichen Lesereisen für Literatur/Leseförderung aktiv zu sein, den direkten Kontakt zum Publikum herzustellen sowie sprachlich und inhaltlich vielschichtig die Wirklichkeit in Deutschland abzubilden.

 

Deutschsprachige Originaltitel würden durch den erweiterten DJLP stärker als bisher in den Fokus gerückt werden. Sie würden entsprechend wahrgenommen werden, was eine Rückkopplung an das Verlagswesen, den Buchhandel, die Medien und die Schulen zur Folge hätte.

 

Mit diesen Nominierungen können die interessanten neuen Strömungen in der deutschen KJL sichtbar gemacht werden.

 

Wie kann ein Kompromiss in den Augen der Initiative aussehen?

 

Indem der DJLP ergänzt wird.

 

Konkret bedeutet dieser Vorschlag, dass die vier Sparten der Kritikerjury verdoppelt werden, damit Lizenzen und deutschsprachige Originale getrennt voneinander nominiert und ausgezeichnet werden können.

 

Die Initiative machte eindrücklich klar, dass es ihr nicht um das Preisgeld geht, sondern um den „Wert“ des DJLP. Man kann sich deshalb vorstellen, dass das zur Verfügung stehende Budget des DJLP beibehalten bleibt und die Preisgelder entsprechend 50/50 geteilt werden.

 

 

 

Diese Klarstellung half gegen Ende des sehr offen geführten Gesprächs, das Ziel der Initiative in einem anderen Licht zu sehen.

 

Das Ministerium bot daraufhin an, die DJLP-Initiative noch einmal neu zu bewerten, fachlich zu diskutieren, v.a. auch mit der Familienministerin Manuela Schwesig. Gleichzeitig bat man die Initiative darum, dem Ministerium Zeit zu geben, selbstverständlich kann 2015 nichts mehr geändert werden. Zudem machte das Ministerium einen Kompromissvorschlag: Man könne sich auch vorstellen, den bestehenden DJLP um eine Sparte zu erweitern, in der in jedem Jahr ein/e Nachwuchsautor/in ausgezeichnet wird.

 

 

 

Dazu die Initiative DJLP:

 

Eine solche Nachwuchsförderung besteht bereits in Form des Kranichsteiner Stipendiums. Die Initiative DJLP setzt sich aber dafür ein, nicht einzelne AutorInnen zu unterstützen, sondern einen Querschnitt der im Land entstehenden literarischen Themen und Strömungen zu präsentieren.

 

Im Abschluss des Gesprächs baten die VertreterInnen des Familienministeriums darum, Stillschweigen zu wahren. Die Initiative wird auf der Startseite ihrer Website das eigene Anliegen noch einmal klar definieren, um die Missverständnisse auszuräumen.

 

 

HBE/05.06.15 

 

 

 

 

ZWEITES GESPRÄCH MIT DEM FAMILIENMINISTERIUM

11. Mai 2015

 

Heute findet ein zweites Treffen zwischen VertreterInnen der Initiative DJLP und des Familienministeriums in Bonn statt.

 

 

EIN GEDANKENEXPERIMENT macht Ralf Schweikart auf seinem Blog

22. März 2015

 

Was wäre eigentlich, fragt sich Ralf Schweikart in seinem spannenden Artikel, wenn man bei der aktuellen Nominierungsliste alle Linzenztitel mit deutschrachigen Originalen ersetzen würde? Kämen wir tatsächlich zu einem katastrophalen Ergebnis?

Wer das wissen möchte, lese bitte den Artikel hier.

 

 

 

"SO WIE ER IST, KANN DIESER PREIS NICHT BLEIBEN" - Eine Kritik zum DJLP in der heutigen WELT

10. Oktober 2014

 

Ralf Schweikart setzt sich in der WELT kritisch mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis auseinander. Über einen Preis, dessen Elastizität langsam nachlässt, Funktionsunterwäsche statt Haute Couture auf dem Jugendbuchmarkt und das Lächeln der Ministerin lesen Sie bitte hier.

 

 

 

ERSTES GESPRÄCH MIT DEM FAMILIENMINISTERIUM

9. September 2014

 

 

Am 10. Juli 2014 fand ein Treffen zwischen Vertretern der Inititative DJLP und Vertretern des Familienministeriums im Ministerium in Berlin statt. Es war das erste Treffen mit dem Ministerium seit die Initiative sich im April 2013 in einem offenen Brief an die damals noch amtierende Ministerin Schröder gewandt hat. Die Initiative begrüßte es deshalb sehr, dass ihrem Wunsch nach einem konstruktiven Dialog nun unter der neuen Leitung endlich entsprochen wurde.
 
Im Rahmen des mehrstündigen Gesprächs wurde den Vertretern der mehr als 500 AutorInnen und IllustratorInnen die Möglichkeit gegeben, die Gründe für den offenen Brief und die seit vielen Jahren in der Branche immer wieder laut werdende Kritik an den Vergabekriterien des Deutschen Jugendliteraturpreises in einem wohlwollenden Rahmen in Ruhe zu erläutern.
 
Alle Beteiligten erkannten an, dass sich sowohl die gesellschaftliche Situation allgemein als auch speziell die Marktsituation der Kinder- und Jugendliteraturbranche seit Auslobung des Preises in den 50er Jahren maßgeblich verändert hat. Die derzeitige Vergabepraxis des DJLP sendet dem Buchmarkt und Lizenzverlagen weltweit Signale, die der Vielseitigkeit und Originalität der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur nicht gerecht werden. 
Der „Blick über den Tellerrand“, der in den 50er Jahren dringend gefördert werden musste, mündete in einer nahezu randlosen Globalisierung. Unsere Gesellschaft ist heterogener, moderne Medien sind Alltag geworden, Heranwachsende lernen mehr Fremdsprachen als früher und absolvieren Teile ihrer Ausbildung ganz selbstverständlich im Ausland. Hinzukommt, dass Übersetzungen überall verfügbar sind; sie dominieren die Feuilletons und Empfehlungslisten. (Und ohnehin hat der Deutsche Jugendliteraturpreis, auch das kam zur Sprache, in der Vergangenheit nie eine breit gefächerte Auswahl verschiedenster Kulturen präsentiert, weil die meisten Übersetzungen eben immer schon aus dem englischsprachigen Raum kamen.)
Es ist ebenso Aufgabe der Kultur eines Landes, den Blick Heranwachsender nach innen zu lenken: auf die eigene Identität, die Entfaltung der Persönlichkeit innerhalb der hiesigen Lebenswelt (von Wittstock bis Salzburg), so wie auch die Sensibilisierung für literarische Verfahren und Phänomene wichtig ist, die eben an die gemeinsame deutsche Sprache gekoppelt sind. (Übersetzungen sind nicht verlustfrei. Sprachen sind nicht un-eigenwillig.) Genau dies zu fördern, so die Initiative, wäre wünschenswerterweise die Aufgabe eines heutigen Staatspreises für Kinder- und Jugendliteratur.
 
Darüber hinaus konnten die Vertreter der Initiative eingehend erläutern, wie sehr sich die Schaffenssituation in der Kinder- und Jugendbuchbranche für die KünstlerInnen in den letzten Jahren verändert hat. War der Markt bis zu Beginn des neuen Jahrtausends noch ziemlich überschaubar, so haben wir es heute mit einer Flut von Neuerscheinungen zu tun, bei der die ausländischen Lizenzen die deutschsprachigen weit dominieren. Vor diesem Hintergrund hat sich nicht nur die Einkommenssituation der AutorInnen und IllustratorInnen gravierend verschlechtert, auch die Möglichkeit überhaupt sichtbar zu werden, ist deutlich gesunken. Gerade da ist die Bedeutung eines Staatspreises, der Produktionen von besonderer Qualität auszeichnet um ein Vielfaches größer.
 
Die AutorInnen und IllustratorInnen begrüßen es, dass es ein breites Angebot an Literatur aus der ganzen Welt in deutscher Übersetzung gibt. Ein Ungleichgewicht entsteht ihrer Ansicht nach erst in dem Moment, wenn Verlage aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten den Lizenzen von erfolgreichen Titeln aus dem Ausland den Marketingschwerpunkt geben, während Neuerscheinungen von hiesigen Kreativen nicht selten schlichtweg "untergehen". Wenn für den DJLP fast ausschließlich übersetzte Lizenzen nominiert werden, wird dieses Ungleichgewicht verstärkt. Die anwesenden AutorInnen erzählten, welch immense Aufmerksamkeit allein eine Nominierung einem Buch von einem hiesigen Autor geben kann. Der Preis hat Einfluss auf den Buchmarkt, und es läge am Ministerium zu entscheiden, in welche Richtung dieser Einfluss gelten soll. Mit einer Kategorie nur für deutschsprachige Originaltitel würde der DJLP Verlage motivieren, originalen Geschichten von hiesigen Autoren Gehör zu verschaffen, was manchmal vielleicht risikoreicher ist, als bereits erfolgreiche Bücher aus dem Ausland einzukaufen. Es könnte eine sichtbare Plattform für das deutschsprachige Kinder- und Jugendliteratur-Geschehen eines Jahrgangs geschaffen werden. Gleichzeitig soll mit einer eigenen Kategorie für übersetzte Bücher der Blick in die literarische Welt selbstverständlich erhalten bleiben.
 
Den Vertretern der Initiative DJLP gelang es in dem Gespräch nachvollziehbar zu machen, warum eine Kategorisierung des DJLP in die Sparten "deutschsprachige Literatur" und "Übersetzung" so wichtig ist und was die staatliche Auszeichnung für die Künstler bedeutet und ausmacht. Die Vertreter des Ministeriums konnten erkennen, dass es den KünstlerInnen nicht um eine "Nationalisierung" des Preises geht, sondern um eine stärkere Sichtbarmachung, Anerkennung und auch Gleichbehandlung. In vielen anderen Bereichen ist eine Auszeichnung der landeseigenen Produktion eine absolute Selbstverständlichkeit (Deutscher Buchpreis, Deutscher Filmpreis etc.). Ebenso selbstverständlich wie in den USA, Frankreich, England, der Schweiz und vielen weiteren Ländern Staatspreise für Kinderliteratur ausschließlich an Werke vergeben werden, die ursprünglich in ihrem Land erschienen sind. Eine Sonderauszeichnung im Bereich "Übersetzung" würde hier auch die ÜbersetzerInnen bewusst anerkennen und sichtbar machen.
 
Die Initiative DJLP konnte dem Ministerium überzeugend vermitteln, das ein Ziel des Preises - die Leseförderung in unserem Land - gerade von deutschsprachigen KünsterInnen Tag für Tag aktiv unterstützt wird. Es sind vor allem sie, die indem sie, die in Schulklassen, Bibliotheken  jungen Menschen begegnen und ihr Interesse und ihre Lust auf Literatur zu wecken. Eine Auszeichnung ihrer Werke würde diese Begegnungen nur vervielfachen und den Dialog mit den Kindern und Jugendlichen im Rahmen ihrer Alltagswelt zusätzlich beflügeln.
 
Inwieweit und in welcher Form das Gespräch mit dem Ministerium fortgeführt werden wird - auch mit Beteiligung weiterer Gesprächspartner, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Im Moment wartet die Initiative DJLP noch auf eine Antwort vom Familienministerium.
 
 
 
An dem Treffen nahmen folgende VertreterInnen der Intitiative teil: Katharina Reschke, Jutta Wilke, Salah Naoura, Kathrin Schrocke, Milena Baisch und Ute Krause.
 
 

GESPRÄCHSTERMIN IM FAMILIENMINISTERIUM

Juni 2014

 

Auf unsere Bitte um ein Gespräch im Ministerium wurde geantwortet. Wir haben nun eine Einladung für den 10. Juli 2014. Ausgewählte VerteterInnen der Initiative DJLP werden in Berlin ein Gespräch mit zwei Vertretern des Ministeriums führen! Unter unseren VertreterInnen sind neben AutorInnen auch ein Übersetzer sowie DJLP-PreisträgerInnen.

 

 

 

 

WIR BITTEN UM EIN GESPRÄCH IM FAMILIENMINISTERIUM

 

14. Mai 2014

 

Nachdem unser erneuter Brief ans Ministerium mit teilweise mit exakt denselben Sätzen wie in den Vorgängerbriefen des Ministerums an Personen, die sich zu dem Problem geäußert haben, wieder abgelehnt wurde, ohne dass auf unsere einzelnen Punkte eingegangen wurde, haben wir nun (am 14. Mai) um einen Termin zu einem mündlichen Gespräch Ende Juni gebeten. Auf die Antwort des Ministerium warten wir noch.

 

 

 

 

NOMINIERUNGEN 2014 UND EIN BRIEF AN MINSTERIN MANUELA SCHWESIG

15. März 2014

 

Die Nominierungen zum Deutschen Jugendliteraturpreis 2014 sehen wie folgt aus:

 

Kategorie Bilderbuch: 4 von 6 Nominierten sind Übersetzungen
Kategorie Kinderbuch: 5 von 6 Nominierten sind Übersetzungen
Kategorie Jugendbuch: 4 von 6 Nominierten sind Übersetzungen
Kategorie Jugendjury: 6 von 6 Nominierten sind Übersetzungen
Kategorie Sachbuch: 2 von 6 Nominierten sind Übersetzungen
 
21 von 30 Nominierungen sind also übersetzte Linzentitel!

 

Am 24. Februar 2014 haben wir der neuen Ministerin Manuela Schwesig einen Brief geschrieben, unsere Argumente dargelegt und einen konkreten Vorschlag zur Veränderung der Vergaberichtlinien des Deutschen Jugendliteraturpreises gemacht. Dieser Brief ist hier als PDF abrufbar:

An Frau Ministerin Manuela Schwesig
Ministeriumsbrief.pdf
Adobe Acrobat Dokument 27.2 KB

RALF SCHWEIKART über den Deutschen Jugendliteraturpreis

27. Februar 2014

 

In seinem Blog macht Ralf Schweikart interessante Festellungen bezüglich der Neugestaltung der Jury des Deutschen Jugendliteraturpreises und vergleicht die Juryzusammensetzung mit der beim Deutschen Buchpreis und beim Preis der Leipziger Buchmesse. Lesen Sie den Blogartikel hier.

 

 

KRITIKER ABGEBÜGELT

17. Dezember 2013

 

In der aktuellen Ausgabe der Kunst und Kultur wird u.a. auf den vom AKJ organisierten "Round Table" zum Thema "Autorenförderung" eingegangen. Sowohl die Initiative DJLP als auch der Vertreter des Schriftstellerverbands haben ihre Teilnahme abgesagt. "Autorenförderung" war nie das Thema der Kritik der Initiative DJLP, sondern die Überdenkung der Vergaberichtlinien für den Deutschen Jugendliteraturpreis. Lesen Sie den ganzen Artikel hier.

 

 

 

DER SWR ÜBER DIE KRITIK AM DEUTSCHEN JUGENDLITERATURPREIS

12. Oktober 2013 

 

Katharina Wilhelm vom SWR spricht über die Preisverleihung, stellt die ausgezeichneten Bücher vor und berichtet über unser Anliegen: hier

 

 

 

 

FLUGBLATT

Oktober 2013

 

Dieses Flugblatt wird auf der Buchmesse verteilt:

 

 

 

 

Deutscher Jugendliteraturpreis –

Kritik ist zumutbar!

 

 

Bereits 1998 fand in der Akademie Remscheid eine Tagung unter dem Motto „Deutsche Kinder- und Jugendliteratur chancenlos im German Open?“ statt. Auch renommierte Kinder- und Jugendbuchautoren wie Paul Maar, Klaus Kordon und Rudolf Herfurtner äußerten sich schon damals kritisch zur Vergabepraxis des Deutschen Jugendliteraturpreises (DJLP).

 

Im Frühjahr 2013 - 15 Jahre später - hat sich eine Initiative deutschsprachiger Kinder- und JugendbuchautorInnen und –illustratorInnen gebildet. Erneut wurde eine offene Diskussion über den DJLP gefordert und dem zuständigen Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) Vorschläge für eine Änderung der Vergaberichtlinien unterbreitet. Ihre Argumente legt die Initiative in einem Offenen Brief unter www.djlp-initiative.jimdo.com dar.

 

Inzwischen unterstützen mehr als 500 AutorInnen und IllustratorInnen (darunter auch  ehemalige DJLP-Preisträger) die Forderung nach mehr Chancengleichheit hiesiger Kreativer, indem künftig internationale und nationale Werke in getrennten Sparten nominiert werden sollen.

 

Gegen diese Initiative findet seither eine unglaubliche, ihre Unterstützer diffamierende Kampagne statt. Von der „Unfähigkeit der Mehrheit deutscher Autoren“ ist die Rede, auch von Deutschtümelei und Nationalismus. „Schreibt bessere Bücher!“ lautet eine zynische Antwort.

 

Das BMFSFJ, welches sich vom Organisator des Preises, dem Arbeitskreis für Jugendliteratur (AKJ), beraten lässt, wiegelt ab, und die Vertreter des AKJ plädieren vordergründig für ein „weltoffenes Deutschland“. Im Hintergrund gerieren sie sich hingegen wenig tolerant und gesprächsbereit: Unterstützer der Forderung sehen sich persönlichen Anfeindungen und Drohungen ausgesetzt, Jugendliche werden zur Stimmungsmache gegen die unterzeichnenden KünstlerInnen missbraucht und zahlreiche Kreative der hiesigen Kinder- und Jugendbuchszene werden nach Jahren der Teilnahme plötzlich zur Preisverleihung nicht mehr eingeladen. Weil es sich um Befürworter der Kampagne handelt?

 

Aufgrund der immer lauter werdenden Kritik hat nun – nicht das Ministerium – sondern erneut der AKJ zu einem Runden Tisch geladen. Das Thema ist nicht der Deutsche Jugendliteraturpreis, sondern „Autorenförderung“. Teilnehmen sollen neben dem AKJ, dem Ministerium, dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels, dem Deutschen Literaturfonds, der Robert-Bosch-Stiftung, dem Verband der Schriftsteller und dem Verband deutschsprachiger Übersetzer auch zwei Vertreter der Initiative. Deren Mitglieder empfinden dieses Angebot als inakzeptabel, da das eigentliche Thema weiter ignoriert werden soll. Weder vom Offenen Brief noch vom Deutschen Jugendliteraturpreis ist mehr die Rede.

 

Das Thema „Autorenförderung“ interpretieren wir als Ablenkmanöver von der dringend notwendigen und in der Szene seit Jahren schwelenden Diskussion über den DJLP. Wir wollen dieses kritische Thema nicht erneut im Sande verlaufen lassen! Wir AutorInnen und IllustratorInnen fordern weiterhin vom Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ein längst überfälliges Gespräch über die Ausschreibungsbedingungen des DJLP.

 

www.djlp-initiative.jimdo.com

 

"IIN DEMÜTIGENDER ART UND WEISE BEHINDERT"

"Allgemeine Zeitung":

 

9. Oktober 2013

 

(...) Auf seine telefonische Nachfrage ließ man Bittner wissen, ihm werde wegen seiner kritischen Berichterstattung „eine Pressekarte verweigert“. Der Verband der Schriftsteller nenne dies zu Recht Zensur, so VAT-Verlagschef Andre Thiele, der sich dem Protest von verdi und vieler Kollegen anschließt. Bittner dürfe bei seiner journalistischen Arbeit nicht „in demütigender Art und Weise“ behindert werden. Wolfgang Bittner, Romanautor, selbst Jugendbuchautor und prominentes Mitglied des Verbandes deutscher Schriftsteller, hatte wiederholt in „kunstundkultur“ moniert, dass der einzige Staatspreis für Literatur der Bundesrepublik nicht der Förderung aktueller deutschsprachiger Jugendliteratur zugutekomme. (...)

 

Quelle und mehr: http://www.allgemeine-zeitung.de/region/kultur/literatur/13511789.htm

 

 

SPD SIEHT AUSSCHLUSS BITTNERS MIT SORGE

8. Oktober 2013

 

Mit Sorge haben wir erfahren, dass dem Göttinger Schriftsteller Wolfgang Bittner die Teilnahme an der Preisverleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises auf der Frankfurter Buchmesse verweigert wurde. Er hatte mehrfach kritisch über die Vergabepraxis dieses einzigen Staatspreises für Literatur in Deutschland durch den Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V. berichtet. Diese, auch von anderen deutschsprachigen Autorinnen und Autoren in einem Schreiben an das den Preis stiftende Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geteilte Kritik kann und darf kein Grund dafür sein, seine Teilnahme zu verweigern. Mit einer schriftlichen Frage haben wir die Bundesregierung gebeten, zu diesem Vorgang Stellung zu beziehen. (...)

 

Quelle: http://www.spdfraktion.de/presse/pressemitteilungen/frankfurter-buchmesse-ist-ort-auch-f%C3%BCr-kritische-diskussion

 

 

 

 

NACH ZU VIEL KRITIK AUSGESCHLOSSEN

9. Oktober 2013

 

(von Wolfgang W. Pahlke)

 

Weil er wiederholt die Vergabepraxis für den Deutschen Jugendliteraturpreis kritisiert hat, soll der Schriftsteller und Jugendbuchautor Wolfgang Bittner nicht von der Verleihung dieses Preises auf der Frankfurter Buchmesse 2013 berichten dürfen. Wurde die Bitte um eine Pressekarte anfangs einfach ignoriert, lehnte der ausrichtende Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V. seine Teilnahme schließlich ganz offen wegen seiner zu kritischen Berichterstattung ab.

 

Besonders pikant an diesem Ausschluss ist, dass der Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V. vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend jährlich mit rund einer halben Million Euro gefördert wird. Trotzdem hielt das Ministerium es, wie die Gewerkschaft ver.di meldet, nicht einmal für nötig, auf eine Beschwerde von Wolfgang Bittner zu antworten. Der Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V. schwenkte dagegen auf eine neue Linie um: Der Saal sei einfach bereits voll und für Wolfgang Bittner somit kein Platz mehr.

 

Wolfgang Bittner gehörte im Mai 2013 zu den inzwischen über 500 Kinder- und Jugendbuchschriftstellern, die sich mit einem offenen Brief an das Bundesminísterium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gewandt hatten, weil sie mit der Vergabepraxis der letzten Jahre unzufrieden waren.

 

Als Grund gaben sie an, dass immer mehr deutschsprachige Übersetzungen fremdsprachiger Jugendbücher und immer weniger originale deutschsprachige Jugendbücher ausgezeichnet würden. Die Ursache sahen sie in den Vergaberichtlinien. Da es ihnen nicht darum ging, beide Gruppen gegeneinander auszuspielen, schlugen sie vor, den Deutschen Jugendliteraturpreis zu zweiteilen und für Originalwerke und Übersetzungen jeweils eigene Preise zu verleihen.

 

Quelle: http://www.sprachrand.de/gedanken/2013/10/09/wolfgang-bittner-nach-zu-viel-kritik-von-der-verleihung-des-jugendliteraturpreises-2013-ausgeschlossen/

 

 

 

ZENSUR GEGEN VERGABEKRITIKER

7. Oktober 2013

 

Frankfurt/M.: Dem Göttinger Schriftsteller Wolfgang Bittner ist wegen seiner Kritik an der Vergabepraxis des Deutschen Jugendliteraturpreises die Teilnahme an der Preisverleihung auf der Frankfurter Buchmesse am 11. Oktober vorab als Presseberichterstatter verwehrt worden. Das meldet die kulturpolitische Zeitschrift der ver.di, kunstundkultur, in ihrer Online-Ausgabe. Der ausrichtende Arbeitskreis für Jugendliteratur e. V. in München, der vom Familienministerium jährlich mit etwa 500.000 Euro gesponsert wird, ignorierte Bittners schriftliche Bestellung einer Presse-Karte. Auf seine telefonische Nachfrage ließ man Bittner wissen, ihm werde wegen seiner kritischen Berichterstattung »eine Presse-Karte verweigert«, so Julia Lentge, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit.

Wolfgang Bittner, Romanautor, selbst Jugendbuchautor und prominentes Mitglied des Verbandes deutscher Schriftsteller, hatte wiederholt in kunstundkultur und Politik und Kultur moniert, dass der einzige Staatspreis für Literatur der Bundesrepublik nicht der Förderung aktueller deutschsprachiger Jugendliteratur zugutekomme. Stattdessen würden überwiegend Lizenzausgaben älterer auf dem Markt durchgesetzter Titel aus dem Ausland in deutschen Übersetzungen ausgezeichnet. Mit dieser Ansicht ist Wolfgang Bittner nicht allein. Einen offenen Brief dieses Inhalts an die Familienministerin unterschrieben inzwischen 500 deutschsprachige Autorinnen und Autoren. Die Reaktion des Familienministeriums: Es stellte den Brief dem Arbeitskreis zu.

Bekannt ist, »dass Unterzeichner des offenen Briefes von Vertretern und Unterstützern des Arbeitskreises diskriminiert werden«, sagt Bittner gegenüber kunstundkultur und nennt das Verfahren einen »Eingriff in die Pressefreiheit« und »Ausdruck von Zensur«.

Wolfgang Bittner hat beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, dem Sponsor des Preises, Beschwerde eingelegt, bislang aber keine Antwort erhalten. Auf der Frankfurter Buchmesse steht er für Interviews am Donnerstag, dem 10. Oktober und am Freitag, dem 11. Oktober jeweils um 12.00 Uhr zur Verfügung: Stand des Verbandes deutscher Schriftsteller 4.1 D 86.

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(2.200 Zeichen. Abdruck honorarfrei bei Nennung der Quelle)
kunstundkultur ist die kulturpolitische Zeitschrift der ver.di und der österreichischen GdG-KMSfB.
Herausgeber: Frank Bsirske und Frank Werneke, ver.di Bundesverwaltung, 10179 Berlin, Paula-Thiede-Ufer 10.
Redaktion u. V. d. P: Burkhard Baltzer, Chefredakteur, Neckarhalde 27a, 72070 Tübingen, 07071-940180
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(c) pixabay
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