Liebe Leserin, lieber Leser!

 

Der Deutsche Jugendliteraturpreis – ein in seiner Grundintention eigentlich ganz wunderbarer Preis – wurde in den letzten Jahren immer wieder zum Anstoß für Kritik. Und zwar nicht nur von Seiten der AutorInnen und IllustratorInnen, sondern auch aus der Sicht von Verlagen, Literaturwissenschaftlern, Journalisten u.v.m.

 

Der Grund für den Unmut ist, dass der Preis als einziger deutscher Staatspreis für Literatur die deutschsprachige Kinder- und Jugendliteratur in direkte Konkurrenz mit den internationalen Lizenztiteln treten lässt. Im Gegensatz zu anderen Ländern wie der Schweiz, Österreich oder England, die ihre Preise ausschließlich an die eigenen Produktionen vergeben, tritt in Deutschland die Kinder- und Jugendliteratur mit den oder gegen die Besten aller Länder an – häufig sogar gegen Titel, die im Ursprungsland schon seit Jahren reüssieren und hier und da die Bestsellerlisten belegen (wie zuletzt der erfolgreiche Autor John Green mit „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“).

 

Nur um einen Vergleich zu geben: Es wäre so, als würden beim Deutschen Filmpreis die heimischen Produktionen gegen das Beste aus Hollywood und aller Herren Länder antreten. Man kann sich vorstellen, welche Auswirkungen das hätte: Wahrscheinlich gäbe es keine einzige Lola für den Deutschen Film.

 

Das Resultat beim DJLP ist, dass unter den Nominierungen in den letzten 15 Jahren je nach Kategorie zum Teil bis zu 70% auf die internationalen Lizenzen fielen. In den Jahren 2005-07 sowie 2013 wurde sogar kein einziges deutschsprachiges Kinderbuch nominiert. Und das bei einer wirklich beeindruckenden, reichen und vielfältigen deutschsprachigen Kinderbuchproduktion (und hier sind die Schweiz und Österreich wohlgemerkt mit eingeschlossen).

 

Jeder weiß, wie wichtig Literatur- und noch viel mehr Staatspreise sind – sowohl für die Macher als auch für das Land insgesamt. Auf den Büchertischen der Goethe-Institute im Ausland werden die Preisträger vorgestellt und somit die literarische Vielfalt des eigenen Landes nach außen bekannt gemacht. Im Land selbst werden die AutorInnen, IllustratorInnen und Verlage belohnt und darin ermutigt, dass es sich lohnt und anerkannt wird, Zeit und Risiko in anspruchsvolle Literatur zu investieren, anstatt auf „me-too-Projekte“ oder „sichere“ Lizenzen zu setzen. Im Bereich der Lizenzen kann zusätzlich Renommee und Geld „verdient“ werden, denn prämierte Bücher sind für ausländische Verlage eher von Interesse. Der DJLP jedoch signalisiert seit vielen Jahren, dass die deutsche Kinder- und Jugendliteratur so schlecht ist, dass es teilweise noch nicht ein mal zu einer Nominierung reicht, und somit besser für die internationale Lizenzliteratur auf den Büchertischen der Goethe-Institute Werbung gemacht wird.

 

Um sich mit dieser Schieflage auseinanderzusetzen und der langjährigen Kritik bestenfalls ein Ende zu bereiten, haben sich am 24. April 2013 zum Internationalen Tag des Buches über 500 AutorInnen und IllustratorInnen in einem offenen Brief an Frau Ministerin Schröder gewandt. Die Initiative DJLP machte darin den konstruktiven Vorschlag, zukünftig eine Aufteilung des Preises in die Sparten „Übersetzung“ und „originalsprachlich“ vorzunehmen, um eine klarere Unterscheidung und Sichtbarkeit der beiden Gewerke zu schaffen – und damit einen fairen Chancenausgleich zu ermöglichen.


Der Brief (auf dieser Website zu finden: Link) wurde unter anderem von literarischen Größen wie Klaus Kordon, Paul Maar, Anja Tuckermann, Rafik Schami und vielen anderen (auch DJLP-Preisträgern) unterzeichnet.


Sie alle weisen in dem Schreiben ausdrücklich darauf hin, dass es mitnichten darum geht, einen rein „deutschsprachigen“ Preis zu etablieren und die Übersetzungen auszuschließen, sondern darum, ein faires Nebeneinander beider Kategorien zu schaffen, die jede für sich sichtbarer macht.

 

Nachdem von Frau Ministerin Schröder kein Interesse ausgesandt wurde, ging der Brief nach dem Regierungswechsel neuerlich an Frau Ministerin Schwesig. Es folgten hierauf nach beharrlichem Drängen der Initiative DJLP zwei Treffen – 2014 in Berlin und im Mai 2015 in Bonn – mit Mitarbeitern der Ministerin (Frau Biskup, Herrn Joseph und Herrn Thomer), die jedoch ohne weitere Konsequenzen blieben und eher den Anschein hinterließen, dass die Sache auch weiterhin ausgesessen werden soll.

 

Die Initiative DJLP hat in den Gesprächen mit dem Familienministerium immer wieder versucht, deutlich zu machen, was der Preis für enorme Auswirkungen auf das Schaffen der Prämierten hat. Und hiermit ist keineswegs der geldliche Wert gemeint, sondern die Würdigung von literarisch relevanten Werken für Kinder und Jugendliche in einer Zeit, in der die stetig steigende Macht der Lizenzen Hand in Hand mit dem immer größer werdenden Druck, „Formate zu bedienen“ einhergeht.

 

Die Ergebnisse all dieser Bemühungen können Sie unter News“ nachlesen.

 

 

Ihre OrganisatorInnen der DJLP-Initiative

(Juni 2016)

(c) pixabay
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